FAQ: Welche Schuhmarke ist die Nummer 1?
Immer noch vergeblich auf der Suche nach der besten Schuhmarke oder dem besten Schuhhersteller? - Hier zeige ich dir, wieso das streng genommen keine gute Fragestellung ist. Einige Tipps für Schuhmarken gibt es trotzdem.
Warum es streng genommen keinen allgemein besten Schuhmacher geben kann
Die kurze Antwort: Die beste Schuhmarke kann es in der Praxis nicht geben, weil es so viele verschiedene Schuhe mit ganz verschiedenen Anforderungen und in ganz unterschiedlichen Preisklassen gibt.
- Suchst du beispielsweise rustikale Bergschuhe zum Wandern, die möglichst gut im Outdoor-Bereich bei Schmutz und Regen sind? Oder suchst du ultrafeine Schuhe für eine Abendveranstaltung? Beide Gebiete gleichzeitig kann ein Schuhmacher nur schwer bis zur Perfektion beherrschen.
- Suchst du bis zur Perfektion hergestellte Schuhe mit ultrafeinen Details oder Schuhe mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und ohne viel Schnickschnack?
- Die besten Schuhe sind vor allem solche, die passen. Gibt es trotz der Anzahl an attraktiven Schuhen bei einer Marke auch solche, die dir selbst wirklich passen? Falls nicht: Bietet die Marke auch Massschuhe oder eine sogenannte Made-To-Order (MTM) Option an? Wenn ja, wie gut passen diese?
Du siehst, es gibt viele Aspekte, nach denen du Lederschuhe beurteilen kannst. Und du kannst nach solchen Schuhmarken suchen, die in möglichst vielen Bereichen gleichzeitig recht gut sind. Wenn du aber ein spezielles Anliegen hast, dann nützt es dir nicht viel, dann brauchst du evtl. den besten Schuhmacher für dein konkretes Anliegen.
Beste Schuhmacher mit dem höchsten Preis
Wie du an vielen Designer-Sneakern im Luxus-Preisbereich sehen kannst, muss der Preis gar nichts über die Qualität eines Produkts aussagen. Es gibt allerdings auch genähte Lederschuhe, die ebenfalls verhältnismäßig viel kosten, für die du aber am Ende viel mehr bekommst. Das Preis-Leistungsverhältnis wird hier wahrscheinlich trotzdem nicht ganz stimmen, aber es könnte sich für dich unter Umständen dennoch lohnen.
Italienische Schuhmarke: Silvano Lattanzi
Ich kann mich an ein Paar schwarzer Schuhe aus Shell-Cordovan erinnern, die um die 8000 Euro gekostet haben. Der Schuh war wunderschön, doch ist Shell-Cordovan relativ teuer. Aber selbst 4000 Euro würde ich für solche Schuhe als zu viel empfinden, wenn sie überwiegend einem praktischen Zweck dienen sollen.
Patrick Frei aus Freiburg
Hier kannst du solide Maßschuhe bekommen, aber auch solche, die bis über 10.000 Euro kosten. Ich weiß nicht im Einzelnen, was alles an den Schuhen besonders ist. Ich gehe davon aus, dass solche Schuhe mit sehr viel Liebe zum Detail hergestellt werden und schon ein kleines Kunstwerk sind - wie auch die übrigen Schuhe von Patrick Frei, nur sogar etwas mehr. Ich gehe bei solchen Schuhen zum Beispiel von diesen Sachen aus:
- Der Schaft wird mit der Hand vernäht statt mit der Maschine.
- Es gibt keine Fersennaht oder zumindest keine sichtbare.
- Bei Stiefeln wurde das Leder zuvor gewalkt, das heisst in Form gebracht.
All das erfordert mehr Aufwand und mehr Können und so wirkt sich das auf den Preis aus. Es ist aber nicht notwendig für praktische, gute Schuhe.
Der vielleicht beste italienischer Schuhmacher vom handwerklichen Können her: Doriano Marcucci
Hier beziehe ich mich auf Infos aus zweiter Hand, die ich von anderen Schuhliebhabern mitbekommen habe. Und zwar ist der italienische Schuhmacher Doriano Marcucci gemeint:
Er war mit anderen Schuhmachern aus der Region Schüler des legendären Schuhmachers Basilio Testella und anscheinend sein bester. Von meinem Eindruck her kann er alles sehr gekonnt herstellen und er hat übrigens eine grosse Leidenschaft für Musik. Du kannst von ihm sowohl sehr pragmatische Schuhe bekommen mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis als auch sehr kunstvolle, mit viel Liebe zum Detail hergestellte Schuhe. Allerdings weiss ich nicht, wie aktiv er heutzutage noch ist.
Hier kann du ein schon älteres, kurzes Video über ihn und seine Schuh-Philosophie auf Vimeo sehen, um dir einen eigenen Eindruck von ihm zu machen.
Schuhmacher-Wettbewerb
Es gibt die sogenannte “World Championships of Shoemaking”, die seit einiger Zeit jedes Jahr im Zuge der London Super Trunk Show stattfindet. Ausgehend von einem bestimmten Modell und einigen Rahmenbedingungen hat jeder teilnehmende Schuhmacher die Gelegenheit, zu einer festen Deadline seinen besten Schuh abzuliefern. Dieser wird von einer Experten-Jury anhand von verschiedenen Kriterien bewertet und am Ende werden die Bestplatzierten ausgezeichnet.
Dieser Wettbewerb ist eine gute Quelle, um gute Schuhmacher zu finden. Allerdings würde ich persönlich die genauen Platzierungen nicht ganz so ernst nehmen: Ich habe von einem Foto her mitbekommen, wie bei einem Erstplatzierten nach dem Rausziehen des Leistens aus dem Schuh Wachsrisse entstanden sind. Bei einem anderen Erstplatzierten weiß ich aus manchen seiner Videos, dass er die Sohle seitlich aufschneidet, um die Sohlennaht am Ende zu verbergen. Während das Konzept allgemein bekannt und gut ist, gibt es allerdings eine andere Technik mit einem besseren Ergebnis, um dies zu erreichen.
Mein Eindruck ist der, dass es insgesamt zu sehr um eine aussergewöhnliche Optik geht. Auch nehmen nicht alle hervorragenden Schuhmacher daran teil, was mitunter an dem mageren Preisgeld liegen könnte. In meinen Augen ist es aber trotzdem ein schöner Wettbewerb, um verschiedene Schuhmacher und ihre Arbeit in der öffentlichen Wahrnehmung zu unterstützen. Ich habe den Eindruck, dass alle teilnehmenden Schuhmacher tatsächlich ganz gut sind - unabhängig von ihrer tatsächlichen Platzierung.
Eine Nennung speziell für Haferl- und Bergschuhe: Markus Nöß
Dieser Abschnitt ist hochgradig subjektiv, da mein Horizont hier relativ beschränkt ist. Ich habe nur einen Schuhmacher auf diesem Gebiet ein bisschen kennen gelernt und zwar Markus Nöß aus Pfronten im Allgäu:
Bei ihm sind Haferlschuh-Modelle mit ausgestellt, die diese besondere, nach hinten hin abfallende Schuhspitze haben - ähnlich der Schnauze eine Hais. Eine solche Schuhspitze ist bei Haferlschuhen historisch recht typisch für die Region. Die Schnürung gibt es wahlweise in der historsch oberbayerischen Variante der seitlichen Schnürung und der historisch Allgäuer Variante der geraden Schnürung, die sich mittig oben befindet.
Insgesamt sind sowohl sehr fein hergestellte Haferlmodelle als auch ganz rustikale Bergschuhe dabei. - Und beides in der zwiegenähten Machart. Die kleine Ausstellung hat mich beeindruckt, besonders ein Haferlschuh in einem wünderschön leuchtenden Rot sowie ein rustikaler Bergschuh aus Juchtenleder.
Für genähte Lederschuhe steht er allerdings in der Allgäuer Region recht einsam da und hat solche genähten Schuhe nur als Nebengeschäft. Die Schuhe, die er macht, sind ausschließlich Maßschuhe und fangen preislich bei etwa 1800 € an. - Für Liebhaber von traditionellen, süddeutschen Schuhen in meinen Augen sehr empfehlenswert.
Fazit
Soweit meine aktuelle Bestenliste, die sich aber in Zukunft ändern kann, wenn ich mehr Einblicke gewinnen sollte. Ich wollte vor allem deutlich machen, dass die Schuhmacherei ein sehr weitläufiges Gebiet ist und man kann als Schuhmacher dort auf verschiedenen Feldern brillieren, von denen ich bei Weitem nicht alle genannt habe.
Je nach dem, was für Schuhe du suchst, kann es für dich Sinn machen, nach richtigen Spezialisten in einem Gebiet zu suchen.
