Lederschuhe pflegen - Wie du das Oberleder vor Rissen und anderen Schäden bewahrst
Staub, Schmutz, Fußschweiß, Dehnen und wieder zusammen Ziehen - Lederschuhe halten im Alltag enormen Belastungen stand. Damit das immer wieder gut funktioniert und das Leder keine Risse bekommt, erfährst du hier mehr über die nötige Schuhpflege. Zusammen mit der Möglichkeit, deine Lederschuhe neu zu besohlen, kannst du mit Hilfe der Schuhpflege deine Lederschuhe mehrere Jahrzehnte lang tragen.
Einleitung und Kurzfassung: Schuhpflege ist provisorisches Versorgen des Leders
Hier geht es um die Pflege von Lederschuhen, damit diese möglichst lange halten. Die Pflege passiert im Voraus als vorbeugende Maßnahme gegen Schäden am Schuh. Wenn ein Schuh aufgrund von zu trockenem Leder Risse bekommt, dann hat die Schuhpflege versagt. Ab hier muss der Schuh in die Reparatur. Dort können die Risse soweit wie möglich gefüllt werden und noch wichtiger: Die Pflege kann nachgeholt werden, damit nicht noch mehr Risse entstehen. Der Schuh wird aber den Originalzustand nicht mehr erreichen.
Die Pflege besteht also darin, dem Leder nötige Nährstoffe und Flüssigkeit zu geben, damit es beispielsweise weniger anfällig gegen Risse ist. Du kannst schon mit ein bisschen Wasser trockenem Leder etwas Gutes tun - oder indem du über Nacht den Tau nutzt. Noch besser funktioniert dies mit speziellen nährenden Ledercremes, die daraufhin ausgerichtet sind, das Leder mit guten Stoffen zu versorgen.
Neben diesen aktiven Massnahmen kannst du auch durch vorsichtigen Umgang mit dem Leder den guten Zustand deiner Schuhe erhalten. - Beispielsweise, wenn du immer Schuhlöffel zum Anziehen deiner Schuhe benutzt und in den Tragepausen Schuhspanner in deine Schuhe hineintust. Auch das ist teilweise provisorisch, weil die Schäden im Leder oft erst mit der Zeit sichtbar werden.
Abgrenzung zur Lederreinigung
Wenn eine fettige Sauce auf die Schuhe drauf gefallen ist und Flecken auf dem Oberleder verursacht hat: Dann müsste der Schuh zuerst gereinigt werden, um den Fleck so gut es geht zu entfernen. Der Reinigungsvorgang ist besonders bei stärkeren Mitteln sehr belastend für das Leder. Neben der Sauce werden auch andere, gute Stoffe im Leder entfernt, die es eigentlich für Stabilität braucht. Dies ist aber das Gegenteil des Zwecks von Schuhpflege, jedoch kann man die guten Stoffe dem Leder hinterher noch zuführen.
Insgesamt ist Schuhreinigung zwar manchmal notwendig, ich sehe sie aber nicht als direkten Bestandteil von Schuhpflege. Schuhreinigung ist für mich eher ein indirekter Bestandteil von Schuhpflege und gehört also vom Kontext her manchmal dazu. Dazu ein anderes Beispiel: Manchmal musst du mit Hilfe eines Lederreinigers eine Wachsschicht vom Schuh wegbekommen, wenn diese sehr fest ist wie dies zum Beispiel beim Spiegelglanz passieren kann. Eine solche feste Wachsschicht hindert das Leder nämlich daran, eine nährende Creme aufzunehmen und so kann das Leder unter dieser Wachsschicht mit der Zeit austrocknen. In diesem Fall würde ich die Wachsschicht zuerst mit einem geeigneten Lederreiniger wegnehmen, um danach mit der richtigen Lederpflege fortzufahren zu können.
Passive Schuhpflege
Die passive Schuhpflege umfasst einige kleine Gewohnheiten, die einzeln für sich nicht viel Aufwand kosten, aber mit der Zeit viel bringen.
Rotationsprinzip: Tragepausen von je zwei Tagen
Füsse schwitzen und geben Schweiss ab. Das ist ein natürlicher Mechanismus des Körpers, den du nicht verhindern kannst. Letztlich gelangt der Schweiss vom Fuß in das Lederfutter und tut dort dem Leder nicht gut.
Damit sich das Leder nach dem Tragen erholt, solltest du mindestens zwei Tage lang andere Lederschuhe tragen. So vermeidest Überbelastung deiner Lederschuhe durch Schweiss und andere Sachen. Je nach dem, wie lange du die Schuhe an einem Tag getragen hast, reicht auch mal ein Tag Pause. Erst so ab vier Stunden würde ich am nächsten Tag andere Schuhe anziehen. Aber das sind subjektive Richtwerte, an denen du dich grob orientieren kannst.
Ich selber habe auch schon mal ein Paar Lederschuhe zwei oder drei Tage in Folge getragen, wenn ich unterwegs war. Solange das eher die Ausnahme als die Regel bleibt, ist alles gut. Lederschuhe halten da in dieser Hinsicht einiges aus, aber man sollte da insgesamt nicht übertreiben.
Und ja: Am Ende bedeutet das, dass du mindestens drei Paar Lederschuhe pro Saison haben solltest. - Ebenso auf Reisen, wobei ich hier auch mit zwei Paar Lederschuhen zufrieden bin, solange die Reise nicht zu lange dauert.
Schuhlöffel: Schütze das Schuhleder beim Hineinschlüpfen
Schuhlöffel sind in erster Linie ein nützliches Hilfsmittel zum Hineinschlüpfen in deine Schuhe: Du kannst durch sie ganz schnell und bequem deine Schuhe anziehen ohne dass du auf manchmal schmerzhafte Art und Weise deine Finge zur Hilfe nehmen musst.
Abseits dieses Hauptzwecks gibt es noch einen weiteren, wichtigen Zweck: Durch den Gebrauch eine Schuhlöffels werden deine Schuhe geschont. Der obere Bereich der Schuhe ist dadurch weniger Reibung und anderweitiger Belastung ausgesetzt.
Ohne regelmäßige Nutzung eines Schuhlöffels können deine Schuhe so aussehen:
Dies passiert jedoch nicht nach ein Paar Mal sorglosem Anziehen deiner Schuhe, sondern nach einer deutlich länger dauernden Vernachlässigung deiner Schuhe ohne die Nutzung eines Schuhlöffels. Falls du mal auf Reisen bist und keinen Reise-Schuhlöffel dabei, dann kannst du also auch mal mit dem Finger deinem Fuß dabei helfen, in die Schuhe hineinzuschlüpfen. Erst problematisch wird es, wenn dies zu Gewohnheit wird.
Was ist denn an der Fingervariante falsch? - Sie bietet nicht genug, damit der Fuß ohne die Schuhkanten anzustoßen in den Schuh hineinschlüpfen kann. Gerade diese kontinuierlichen Reibungen tragen das Leder der Schuhkanten ab und machen deine Schuhe unansehnlich. Ein Schuhlöffel hingegen schützt die Schuhkante im Fersenbereich und bietet dem Fuß mehr Raum, in den Schuh hineinzuschlüpfen.
Schuhspanner: Das Standardrezept gegen Gehfalten
Schuhspanner sind ein wichtiges Hilfsmittel für hochwertige Lederschuhe, um diese möglichst lange in einem guten Zustand zu erhalten . Und zwar sind sie vor allem ein Mittel gegen Gehfalten, damit diese sich in den Ruhepausen wieder zurückbilden.
Hier siehst du übrigens, wie stark sich Gehfalten ausprägen können, wenn du über einen langen Zeitraum ganz auf Schuhspanner verzichtest. Das zeigt, dass Gehfalten nicht zu unterschätzen sind .
Auch wird der Schuh insgesamt durch einen Schuhspanner recht weit in die Ursprungsform gebracht. Wenn irgendjemand auf deinen leeren Schuh draufgetreten ist und ihn dadurch platt gemacht hat - was ich niemandem wünsche, besonders bei hochwertigen Schuhen - kannst du sie durch Schuhspanner wieder in eine gute Form bekommen.
Aktive Schuhpflege: Versorgen des Leders mit Nährstoffen
Je nach Häufigkeit des Tragens und abhängig von anderen Einflüssen, welchen deine Schuhe ausgesetzt sind, solltest du deine Lederschuhe mit einer Lederpflege versorgen. Ich zum Beispiel habe viele Schuhe zur Auswahl und picke mir meist für eine Saison eine Auswahl heraus, dich ich dann griffbereit habe. Das können dann sechs bis zehn Schuhe sein, die ich dann vergleichsweise häufig trage. Durch diese Menge und meine Rotation werden die Schuhe nicht so stark beansprucht als wenn ich nur drei Schuhe hätte. Außerdem trage ich ein Paar Schuhe meist nicht das ganze Jahr über. Entsprechend reicht es mir, ein Paar Schuhe so etwa einmal im Jahr zu pflegen.
Je nach Intensität der Nutzung können auch sechs bis acht Wochen bis zur erneuten Pflege sinnvoll sein. Ich selber schaue mir jedoch die Schuhe zur Beurteilung einfach an. Ich weiß ganz ungefähr, wann ich sie das letzte Mal gepflegt habe und ob ich sie seitdem sehr häufig getragen habe. Bei Glattlederschuhen kann ich mir besonders gut anhand des Zustands des Oberleders eine Meinung bilden: Wenn das Leder nicht mehr so frisch aussieht und diverse Spuren von Abnutzung trägt, dann ist der Schuh für mich ein Kandidat für die nächste Pflege. Bei Raulederschuhen sind die Spuren von Abnutzung in meinen Augen subtiler.
Schuhpflege speziell für Glattlederschuhe
Bei der normalen Schuhpflege für Glattlederschuhe wird das Oberleder von Staub, leichtem Schmutz und von eventuellen Wachsresten befreit, damit die danach eingesetzte Creme besser aufgenommen werden kann. Bei größerem Schmutz oder hartnäckigen Flecken ist dann mehr nötig, ebenso bei einer stärkeren Wachsschicht - in solchen Fällen nimmst du am besten spezielle Lederreiniger - so stark wie nötig und so schonend wie möglich. Doch meist reicht ein einfaches Abbürsten aus, wenn die Schuhe in guter Verfassung sind. Eine Anwendung von Lederreinigern ist immer eine Belastung für das Leder, welches ich so gut wie möglich vermeiden möchte.
Dann wird die Schuhcreme aufgetragen - mit den Fingern, mit einem Lappen oder mit einer Auftragbürste. Die Auftragbürste hat dabei ihren Vorteil in Zwischenbereich zwischen Oberleder und Sohle. Mit den Fingern kommt man nicht tief genug hin. Von der Menge her nimmst du am besten nur wenig Schuhcreme und siehst zu, dass das Leder nicht in der Schuhcreme ertrinkt, sondern sie leicht aufnehmen kann.
Das Oberleder wird dann nach etwa fünf Minuten Pause auf Glanz poliert - mit einer Rosshaarbürste oder mit der Hand. Wer einen stärkeren Glanz haben möchte, kann hinterher noch etwas Wachs drauf machen und die Schuhe wieder auf Glanz polieren.
Spezielle Pflege für Raulederschuhe
Auch beim Rauleder heißt es zuerst, den groben Schmutz abbürsten. - Vorher aber noch die Schuhspanner reintun. Den feineren Schmutz kann man dann mit Hilfe eines Reinigungssprays vom Rauleder lösen und dann abbürsten. Speckige Stellen kann man zum Beispiel mit einer Metallbürste vorsichtig wieder aufrauen. Danach ist das Leder bereit, mit einem nährenden Pflegespray behandelt zu werden und danach abgebürstet zu werden. Optional kann man dieses Vorgehen am Ende mit einem Imprägnierspray wiederholen, um die Schuhe gegen Schmutz und andere Sachen zu schützen.
Pflege des Lederfutters
In diversen Anleitungen ist die Pflege des Inneren eines Schuhs gar kein Thema. Aber wieso dann bei mir? - Nun, das Lederfutter wird beim Gehen gestaut und gedehnt und ist damit kontinuierlicher Bewegung ausgesetzt. Indem wir das Lederfutter mit Nährstoffen versorgen, halten wir es schön geschmeidig und elastisch, damit das Leder nicht bricht oder reißt. Letzteres ist bei trockenem Leder der Fall, dem wir damit also vorbeugen. Ein weiterer Nachteil von trockenem Leder ist, dass es schnell Schweiß aufnimmt. Und Schweiß ist basisch und bringt das Leder in den entsprechend basischen Bereich, was nicht der Idealzustand für Leder ist. Zusätzlich hat Schweiß gar keine nährende Wirkung für Leder. Durch den Schweiß ist das Leder also weiterhin anfällig für Bruchstellen.
Übrigens erkennt man Schweiß an den dunklen Stellen im Inneren des Schuhs. Wenn man diese sieht, dann könnte es Zeit sein, zu handeln: Man kann mit einem Lederreiniger die Schweißkristalle und sonstigen Schmutz entfernen. Viel wichtiger ist es dann, im Anschluss das Leder mit einer Ledercreme zu versorgen.
Ein Paar Nebenaspekte bei der Pflege
Bei der Pflege des Oberleders: Ganz am Anfang tue ich die Schuhspanner in die Schuhe rein, um mehr Gegendruck beim Bürsten und Reiben zu haben und um das Leder gleich in der richtigen Form zu haben.
Die Schnürsenkel entferne ich am besten vorher. Dadurch komme ich an alle Stellen auf dem Oberleder und im Innenfutter besser heran. Für eine kleine, schnelle Auffrischung des Oberleders überspringe ich diesen Schritt allerdings manchmal, wenn es mir nicht um eine umfassende Pflege geht.