Erholung für Lederschuhe: Wie Schuhspanner die Form von Lederschuhen bewahren und Gehfalten glätten
Schuhspanner sind eines der wichtigsten Investitionen für deine Lederschuhe - mit ihnen beugst du tiefen, dauerhaften Gehfalten vor
Primärer Zweck: Gegen Gehfalten spannen und Form halten
Schuhspanner - auch Schuhholz genannt, wenn sie aus Holz bestehen - helfen dir bei einem natürlichen Problem von Lederschuhen: Durch die Gehbewegung wird das Leder gestaucht und gedehnt und verformt sich kontinuierlich suf diese Weise - Gehfalten entstehen so und können ein größeres Problem bei Lederschuhen sein .
Ein Schuhspanner bringt das Leder in die ursprüngliche, gestreckte Form. Das sieht dann viel ansehnlicher aus, wenn du deine Lieblingsschuhe zum Anziehen rausholst. Während neue, nicht anprobierte Lederschuhe keine Gehfalten aufweisen, bekommen Lederschuhe direkt beim ersten Tragen ihre Gehfalten. Diese sind auch im gestreckten Zustand mit Schuhspannern sichtbar, aber meist nur minimal, wenn die Schuhspanner lang genug sind.
Wenn du frisch aus deinen Lederschuhen herausgeschlüpft bist, dann sind die Schuhe innen drin warm und mit Fußschweiß gefüllt. Das Leder ist dadurch recht elastisch und das ist die perfekte Gelegenheit, deine Schuhspanner rein zu legen. Du solltest also am besten nicht zu lange damit warten, deine Schuhspanner in die Schuhe einzusetzen. Falls es aber mal trotzdem nicht sofort klappt, dann einfach bei nächstbester Gelegenheit nachholen - denn Schuhspanner wirken auch bei schon getrocknetem Leder.
Ein Schuhspanner ist dafür gemacht, dass ein Schuh formstabil bleibt und die Falten reduziert werden. Es ist unansehnlich, wenn Schuhe ins Innere eingedrückt werden, wenn man sich z.B. - beabsichtigt oder nicht - darauf stellen sollte: Neue Falten entstehen und das Leder wird unnötig belastet. Wenn es ein paar Mal versehentlich passiert, dann ist es im Normalfall nicht so schlimm. Aber es ist schlecht für die Schuhe, wenn die genannte Beanspruchung zur Gewohnheit bzw. zur Normalität wird.
Sekundärer Zweck: Schweiß aufnehmen und antibakterielle Wirkung
Wenn du mit deinen Schuhen unterwegs warst und nach dem Ausziehen der Schuhe Schuhspanner aus Holz einlegst, dann passiert zusätzlich noch folgendes:
Nun werden Schuhspanner aus Holz die Flüssigkeit etwas aufnehmen und dadurch das Lederfutter von einem Teil des Fußschweißes verschonen. Denn Schweiß ist schlecht für das Leder, da er basisch ist. Dadurch wird der ph-Wert des Leders vom optimalen, leicht sauren Bereich in den basischen Bereich gebracht und dort neigt das Leder eher, kaputt zu gehen. Trotz dieses Vorteils kann ein Schuhspanner aus Holz nur eine begrenzte Menge an Schweiß aufnehmen, so dass dieser Vorteil nach meiner Einschätzung nicht zu sehr ins Gewicht fällt.
Antibakterielle Wirkung sehr klein
Noch weniger ins Gewicht fällt die antibakterielle Wirkung mancher Holzarten, die durch Wirkstoffe im Holzinneren erzeugt wird. Zedernholz ist dafür vor allem bekannt und wird entsprechend beworben. Der Duft ist allerdings schnell verflogen, so dass dieser Vorteil nur ein kurzfristiger ist.
Du kannst diese Wirkung danach nochmal reaktivieren, wenn du die Holzoberfläche deines Schuhspanners etwas abschleifst. Jedoch macht das Abschleifen den Schuhspanner mit jedem solchen Mal ein bisschen kleiner. Mit der Zeit würde dein Schuhspanner deine Schuhe nicht mehr gut genug dehnen, wenn du irgendwann insgesamt zu viel abgeschliffen hast.
Ich selbst würde kein zusätzliches Geld für so eine antibakterielle Wirkung des Holzes ausgeben wollen. Deshalb ist für mich das Holz diesbezüglich sehr zweitrangig und anders lautende Werbetexte würden mich misstrauisch oder vorsichtig machen. Entsprechend würde ich Schuhspanner aus Zedernholz nicht wegen der antibakteriellen Wirkung des Zedernholzes kaufen, sondern weil es einfach ein gutes Holz ist wie jedes andere auch.
Varianten von Schuhspannern
Spiralschuhspanner (auch Spiralfederspanner genannt)
Diese Art würde ich nicht empfehlen, da die biegsame, lange Metall-Spirale in manchen Schuhen deutliche Spuren hinterlassen kann. Mir ist das bei einem Paar Stiefeln passiert, bei denen die Metall-Spirale von innen nach oben in das Leder gedrückt hat und es dann außen auf dem Schaftleder eine unansehnliche Falte gab.
Diese Gefahr ist prinzipiell da, wenn du die Spiral-Schuhspanner universell verwenden möchtest bei allen deinen Lederschuhen. Wenn du aber vorher prüfst, ob die Metall-Spirale nicht zu sehr in das Leder eindrückt, dann kannst du für jedes Schuhpaar individuell beurteilen, ob du diese Schuhspanner hier nutzt.
Insgesamt is so ein Spriralschuhspanner vor allem im hinteren Bereich suboptimal: Dort hast du nur einen einzelnen Druckpunkt, so dass sich der Druck nicht gleichmäßig verteilt. Allerdings ist ein Spiralschuhspanner besser als kein Schuhspanner, wenn er keine Druckspuren im Schuh hinterlässt.
Schraubschuhspanner (auch Drehspanner oder Gewindespanner genannt)
Dieser Schuhspanner ist ähnlich wie der Spiralschuhspanner, nur dass die flexible Spirale durch ein verlängerungsfähiges Metallteil ersetzt wird. Entlang dieses Metallteils lässt sich das Holzteil am hinteren Ende graduell rein und raus drehen, womit die Länge eingestellt wird. Ein größere Länge erzeugt dann mehr Spannung vorne am Schuhe, kann aber auch zu viel Spannung hinten an der Ferse erzeugen. Dort gibt es ebenfalls einen einzelnen Druckpunkt, der ein bisschen mehr Fläche abdeckt als ein Spiralschuhspanner.
Federholzspanner (auch Bügelspanner oder Klemmspanner genannt)
Dieser Schuhspanner hat viel Holzvolumen und viel Material, weshalb er relativ schwer ist. Er füllt den Schuh innen drin umfassend aus und der Druck wird recht gut durch grosse Flächen verteilt.
Ein solcher Schuhspanner hat eins oder zwei Hauptfedern in Längsrichtung und diese arbeiten für den Hauptzweck, Gehfalten durch Dehnen des Schuhs abzumildern. Zusätzlich hat so ein Schuhspanner meist vorne noch eine Nebenfeder in Querrichtung entlang der Breite, die dafür sorgt, dass der Schuh im Bereich der Schuhspitze zur Seite hin etwas gedehnt wird. Das ist allerdings ein kleiner Bonus und dient nur ein bisschen dem Hauptzweck eines Schuhspanners, Gehfalten abzumildern. Du brauchst also nicht verunsichert zu sein, falls dein Schuhspanner zur Seite hin keine Federung hat: Das ist kein Muss für einen guten Schuhspanner.
Ausgehöhlte Schuhspannervarianten
Diese Schuhspanner kann es in unterschiedlichen Varianten als Schraubschuhspanner oder Federholzspanner geben. Diese haben alle gemeinsam, dass der Schuhspanner vorne unten ausgehöhlt ist, damit die Luft besser zirkulieren kann und Schimmel dadurch noch unwahrscheinlicher wird. Auch wird das Gewicht dadurch leichter und solche Schuhspanner sehen zusätzlich eleganter aus.
Die ausgehöhlte Form erfordert aber größeren Aufwand in der Herstellung und der Druck ist vorne im unteren Bereich etwas einseitig auf die äusseren Stellen der Brandsohle verteilt, was aber kein Problem sein sollte.
Beispielsweise die Schuhmarke Saint Crispin’s nutzt solche Schuhspanner und ebenso manche Maßschuhmacher. Ich selber kenne solche Schuhspanner in einer Variante ohne jegliche Federn und auch nicht als Schraubschuhspanner. Es sind einfache Schuhspanner, die sich einmal zusammenklappen lassen können, aber von der Länger her gibt es keinen Spielraum: Sie müssen dann passen, was sich besonders bei Maßschuhen anbietet.
Dreiteiliger Holz-Schuhspanner
Dieser Schuhspanner hat sozusagen das größtmögliche Holzvolumen, das meiste Material und damit auch je nach verwendeter Holzart potentiell das grösste Gewicht. Er spannt nach allen Seiten hin, aber vor allem in Längsrichtung eines Schuhs, um Gehfalten zu bekämpfen.
Der vordere Teil wird zuerst in den Schuh hineingetan und im zweiten Schritt wird der hintere Teil in den Fersenbereich getan. Das mittlere Schuhspanner-Teil wird dann zwischen diese beiden äußeren Teilen gesteckt. Je mehr du von oben drauf drückst, desto mehr bewegen sich die beiden äußeren Teile in Längsrichtung auseinander und desto mehr spannen sie dadurch den Schuh.
Verglichen zum Schraubschuhspanner hast du hier also keine festen, einzeln Stufen für die Stärke des Spannens, sondern du kannst ganz flexibel die Stärke der Spannung kontrollieren. - Ähnlich wie beim Vorteil von Schnürschuhen gegenüber den Schnallenschuhen. Deshalb ist das vermutlich der insgesamt beste Schuhspanner, den du bekommen kannst.
Wenn Schuhspanner zu viel Druck gegen den Lederschuh erzeugen
Diese Gefahr für deine Lederschuhe besteht bei zu grossen oder zu langen Schuhspannern, die dann eine zu starke, dehnende Kraft auf das Innenfutter-Leder ausüben und dadurch unter Umständen sogar Risse erzeugen. Im besseren Fall wird der Schuh in Längsrichtung nur etwas gedehnt, wenn du Glück hast.
In der Praxis habe ich bisher keine Probleme bekommen, wenn der Schuhspanner nur etwas zu groß für den Schuh war. Das war zumindest bei den Federholzspannern der Fall. Bei den Schraubschuhspannern kannst du ja den ausgeübten Druck manuell einstellen und da stelle ich mir das am wahrscheinlichsten vor, mal versehentlich zu viel Druck auszuüben. Wenn du die Schraubschuhspanner allerdings vorsichtig in deinen Schuh einsetzt und gegebenenfalls die Länge korrigierst, dann wird dir das auch gelingen.
Material
Das Material ist bei einem Schuhspanner zweitrangig, da es wie schon erwähnt um die Form-haltende Wirkung von Schuhspannern geht. Jedoch würde ich das Material Holz gegenüber Kunststoff bevorzugen, einfach um einer möglichen Schimmelbildung etwas besser vorzubeugen: Holz kann nämlich Feuchtigkeit aufnehmen, Plastik dagegen nicht. Dies soll jetzt aber nicht heißen, dass du mit Schuhspannern aus Plastik mit Sicherheit Schimmel bekommst. Denn das Lederfutter nimmt ebenfalls Feuchtigkeit auf und gibt es hinterher an die Umgebung ab. Außerdem kannst du Schimmel auch mit Holzschuhspannern bekommen. So hat das Material Holz in meinen Augen insgesamt nur leichte Vorteile, die du trotzdem dann mitnehmen darfst, wenn du Holzschuhspanner statt Plastikschuhspanner nimmst.
Wie schon genannt wird Zedernholz wegen seiner antibakteriellen Wirkung relativ stark beworben, jedoch eher zu Unrecht von der umständlichen Praxis her. Ich selbst bin gegenüber Zedernholz nicht abgeneigt und die allermeisten Schuhspanner, die ich besitze sind auch tatsächlich aus Zedernholz. Allerdings kannst du genau so gut Buche oder eine andere Holzart nehmen. Den größten Unterschied in der Holzart habe ich bisher im Gewicht mitbekommen: Ich habe ein Paar besonders leichte Federholzspanner von Materna, die keine besondere Form haben, also auch vorne nicht ausgehöhlt sind. Ich vermute, dass sie aus dem besonders leichten Material Pappelholz bestehen, ich kann es aber nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls eigenen sie sich wegen dieses leichten Gewichtes hervorragend als Reiseschuhspanner. Falls du keine solchen bei dir hast und auf eine Reise gehen möchtest, dann sind auch Schuhspanner aus Plastik recht leicht und deshalb sehr geeignet für Reisen. Ich habe allerdings auch kein Problem, die normalen, schwereren Federholzspanner aus Zedernholz auf Reisen mitzunehmen, wobei dies wahrscheinlich einfach davon abhängt, wie deine Reise konkret aussieht.
Komplikationen mit der Größe
Ein Schuhspanner sollte natürlich zum Schuh passen. Leider haben unterschiedliche Hersteller von Schuhspannern unterschiedliche Größenangaben. Deshalb ist es irgendwo sinnvoll, dich vor dem Kauf genauer zu informieren, welche Schuhspannergröße du für deine eigene Schuhgröße benötigst. Einen zu kleinen Schuhspanner wirst du am leichtesten bemerken, weil er den Schuh besonders im Gehfaltenbereich nicht richtig spannt. Zu große oder zu lange Schuhspanner kannst du an dem großen Druck erkennen, die sie im Schuhe erzeugen. Hier solltest du aufpasse, dass das Leder nicht überstrapaziert wird.
Ich persönlich bin was große Schuhspanner angeht jedoch relativ gelassen, da mir da bisher noch nichts passiert. - Auch wenn manche Federholzschuhspanner relativ viel Spannung in den Schuh reingebracht haben, aber trotzdem am Ende nicht zu viel. Hinsichtlich der Länge halte ich die Schraubschuhspanner für die flexibelsten, so dass du bei denen die meisten Anpassungen machen kannst. - Selbst wenn sie von der Breite her zu klein sein sollten, kannst du sie meist relativ stark verlängern, so dass sie deine Schuhe am Ende trotzdem spannen, obwohl sie eigentlich zu klein sind.
Bewertung
Ich persönlich würde die möglichen Schuhspanner von der Form her wie oben anhand der Reihenfolge aufsteigend bewerten. Das heißt: Auf Spiral-Schuhspanner möglichst verzichten und die dreiteiligen Schuhspanner ohne jegliche Federn als die besten ansehen. Da letztere in der Praxis wesentlich schwieriger zu bekommen sind, bleibe ich meistens bei normalen Federholzschuhspanner, obwohl ich auch durchaus Schraubschuhspanner besitze und daran besonders schätze, dass ich die Spannung vorne am Schuh sehr gut verstärken kann.
Schuhspanner machen einen Unterschied
Zustand von Schuhen nach Verwendung ohne Schuhspanner
Wie du sehen kannst ist das Leder bei einem Schuh nach innen hin gedrückt und Falten sind mittelstark ausgeprägt. Außerdem sind die Fußspitzen relativ stark nach oben hin geformt entsprechend der Verformung des Leders beim Gehen.
Zustand der Schuhe nach einer Woche in Schuhspannern
Für dieses Vergleichsbild habe ich Schuhspanner in die Schuhe getan und nach etwa einer Woche wieder herausgeholt. Eine pflegende Creme habe ich hier auch schon ein wenig benutzt. Wie du sehen kannst ist besonders der eine Schuh wieder in Form und nicht mehr nach innen hin verformt wie noch eine Woche zuvor. Außerdem sind die Falten bei beiden Schuhen reduziert und die Schuhspitzen sind nicht mehr ganz so stark nach oben hin gebogen, was nochmal die Situation der Gehfalten verbessert. Die Schuhe sind trotzdem weiterhin leicht gebogen, weil diese gebogene Form das Abrollen des Fußes bei der Gehbewegung unterstützt, indem sie für die Gehbewegung weniger Widerstand bietet.

